Finanzierung in der Landwirtschaft

Bevor die Schweiz im Verlauf des 20. Jahrhunderts zum Industrie- und Dienstleistungsstaat wurde, war die Schweizer Bevölkerung vorwiegend in der Landwirtschaft tätig. Noch heute stellen die landwirtschaftlich genutzten Gebiete mit rund 35% der Landesfläche den grössten Teil der Schweizer Bodennutzung dar. In unserem Geschäftsgebiet werden rund 800 Bauernbetriebe geführt. So liegt es auf der Hand, dass wir uns täglich mit Finanzierungen in dem für unser Land wichtigen Wirtschafssektor befassen. In diesem Blog zeigen wir Ihnen einige der wichtigsten Punkte und Besonderheiten bei der Finanzierung in der Landwirtschaft auf und versuchen, diese verständlich darzulegen.

Finanzierungsmöglichkeiten bei der Bank

Die Finanzierung eines Bauernhofes, Stallungen oder landwirtschaftlich genutzten Grundstücken unterscheidet sich in den meisten Punkten nicht von einer herkömmlichen Gewerbefinanzierung an ein KMU, welches als Einzelunternehmung geführt wird. Die meisten von unserer Bank angebotenen Darlehen für KMUs sind auch im Bereich der Landwirtschaft anwendbar.

 

Liquidität

Gewinn ist die Nahrung jedes Unternehmens und Liquidität die Luft, die sie zum Atmen braucht. Damit diese Luft niemals wegbleibt kann die Aufnahme einer Betriebskreditlimite auf Kontokorrentbasis sinnvoll sein. Diese Kreditlimite hilft einem Bauernbetrieb, saisonale Liquiditätsschwankungen auszugleichen. Beispielsweise aufgrund der Verzögerung zwischen den laufenden Betriebskosten und dem Zahlungseingang von Direktzahlungen. Mit der Limite kann das normale Geschäftskonto bis zur gewährten Limite überzogen werden und wird durch die laufenden Einnahmen wieder ins Guthaben zurückgeführt. Der Vorteil dieser kurzfristigen Finanzierungsform liegt darin, dass Sie jeweils nur auf dem effektiv genutzten Kredit den Zins bezahlen. Die Höhe des Zinssatzes ist in Abhängigkeit zur hinterlegten Sicherheit. Mögliche Sicherheiten sind beispielsweise Liegenschaften, freie Lebensversicherungspolicen, Bankguthaben oder Wertschriften. Der Zinssatz eines Kontokorrentkredites mit einer erwähnten Sicherstellung ist günstiger als eine Kreditlimite ohne Sicherstellung (Blankokredit).

 

Betriebsliegenschaft

Die Betriebsliegenschaft ist für einen Landwirtschaftsbetrieb von zentraler Bedeutung. Einerseits umfasst diese nicht nur die betrieblichen Gebäude, sondern ist in den meisten Fällen zeitgleich auch noch das private Eigenheim. Zudem sind die dazugehörigen Landflächen der zentrale Produktionsfaktor für einen Landwirtschaftsbetrieb. Die Finanzierung der Betriebsliegenschaft erfolgt über eine Hypothek. Dabei kann der Zinssatz variabel sein (variable Hypothek) oder aber auch für eine bestimmte Laufzeit fest fixiert werden (Festhypothek). Zudem wird eine allfällige laufende Rückzahlung (Amortisation) der Hypothek festgelegt. Als Sicherheit dient ein Grundpfand, also der Grund und Boden inklusive Betriebs- und Wohngebäude der entsprechenden Liegenschaft.

Investitionen

Auch in der Landwirtschaft ist der Unternehmer laufenden Veränderungen ausgesetzt und muss sich deshalb rasch anpassen und ständig weiterentwickeln können. Damit sind verschiedentlich Investitionen in Maschinen und Infrastruktur notwendig. Da viele Investitionen einen längerfristigen Charakter haben, kann es sinnvoll sein, den längerfristigen Kapitalbedarf über ein Darlehen und nicht über die notwendige Liquidität auf dem Kontokorrent zu finanzieren. Das Darlehen kann durch die bereits erwähnten Sicherheiten sichergestellt werden. Stehen keine Sicherheiten zur Verfügung, kann, unter der Voraussetzung einer soliden Kundenbonität bei unserer Bank, auch eine Bürgschaft der bankeigenen Bürgschaftskasse beantragt werden. Der Zinssatz sowie die Rückzahlungsfrist des Darlehens sind von der jeweiligen Sicherstellung abhängig.

 

Elemente der Kreditprüfung

Die Gewährung einer Finanzierung unterliegen gewissen Prüfkriterien und Vorgaben. Speziell bei landwirtschaftlichen Finanzierungen im Vergleich mit anderen Gewerbefinanzierungen ist die Sicherstellung durch ein landwirtschaftliches Grundstück. Als Belehnungsobergrenze des Grundpfandes dient bei landwirtschaftlichen Liegenschaften im Gegensatz zu üblichen Gewerbefinanzierungen die Belastungsgrenze. Diese beträgt 135 % des amtlichen Wertes des Grundstücks und wurde im Bundesgesetz für Bäuerliches Bodenrecht (BGBB) als Schuldenbremse verankert. Daher können Banken nur mit Sonderbewilligungen Finanzierungen über diese Grenze hinaus gewähren. Diese Bewilligungen werden vom Regierungsstatthalter erteilt. Der amtliche Wert und ob ein Grundstück als landwirtschaftlich gilt und somit dem BGBB unterstellt ist, kann auf dem Grundbuchauszug eingesehen werden.

 

Neben dem Belehnungswert der Sicherheit unterscheidet sich eine Finanzierung in der Landwirtschaft auch bei der Rückzahlungspflicht des Kreditengagements. Das heisst, solange die oben beschriebene Belastungsgrenze nicht überschritten wird, besteht keine gesetzlich geregelte Amortisationspflicht. Je nach effektiver Belehnungshöhe kann die Bank jedoch eine regelmässige Rückzahlung vorgeben. Wird die Belastungsgrenze mittels Sonderbewilligung überschritten, wird diese Überschreitung mit Auflagen bezüglich der Rückführung des Überschreitungsbetrages verknüpft und eine regelmässige Rückzahlung vorgeschrieben.

Zusätzlich zur Sicherheit und der allfälligen Rückzahlungspflicht wird bei einer Kredithergabe auch die Bonität des Schuldners beleuchtet. Dazu wird anhand der eingereichten Geschäftszahlen die Tragbarkeit des beantragten Kredites berechnet. Bei der Prüfung werden die Erträge aus der Landwirtschaft dem Finanzierungsaufwand gegenübergestellt. Kann der kalkulatorische Finanzierungsaufwand, welcher die Verzinsung, die Amortisation, die Nebenkosten der Liegenschaft inklusive betriebsnotwendigen Abschreibungen sowie Finanzierungskosten von Dritten berücksichtigt, durch den Betriebsertrag abgedeckt werden, gilt die Tragbarkeit der Finanzierung als gegeben.

Weitere Details zu den Konditionen sowie den einzelnen Finanzierungsformen der Spar- und Leihkasse Frutigen AG sind auf unserer Website ersichtlich.

Übrige Finanzierungsmöglichkeiten

Ein Landwirtschaftsbetrieb kann auch ausserhalb der Bank auf andere Finanzierungsquellen zurückgreifen.

Bernische Stiftung für Agrarkredite

Eine Möglichkeit ist die Inanspruchnahme von Agrarkrediten bei der bernischen Stiftung für Agrarkredite (BAK). Die Stiftung ist eine spezialisierte Kreditgeberin im Bereich der Landwirtschaft im Auftrag des Kantons Bern. Sie vergibt zweckgebundene Kredite als zinslose jedoch zwingend rückzahlungspflichtige Darlehen.  

Investitionskredit

Kredite, die für Investitionen zur Erweiterung, Modernisierung oder Neuausrichtung eines Betriebes vorgesehen sind. Die Vergabe ist an gewisse Bedingungen geknüpft, beispielsweise muss der Antragssteller eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert haben oder mindestens drei Jahre erfolgreiche Betriebsführung nachweisen können. 

Starthilfe

Finanzierungsvariante für junge Landwirte bis 35-jährig zur Finanzierung von Betriebsübernahmen sowie zusammenhängenden Ausgleichszahlungen von Familienmitgliedern. 

Betriebshilfedarlehen

Ein Betriebshilfedarlehen ist ein zinsloses, jedoch rückzahlungspflichtiges Darlehen, um eine unverschuldete finanzielle Bedrängnis zu beheben oder zu verhindern. Der Höchstbetrag eines Betriebshilfedarlehen liegt bei CHF 220'000.00 einschliesslich aller früheren BAK-Darlehen.

Beiträge für Investitionsvorhaben (à Fonds perdu)

Einige Vorhaben werden von Bund und Kanton mittels Beiträge speziell unterstützt. Beiträge der öffentlichen Hand können aber nur für bestimmte Zwecke beantragt werden. Die wesentlichen sind Bodenverbesserungen und Investitionen in landwirtschaftliche Gebäude. Die Grundsätze und Bedingungen sind dieselben wie für Agrarkredite.

BAK-Darlehen werden grundsätzlich durch Grundpfandsicherheiten sichergestellt. Diese Pfänder befinden sich aber üblicherweise im Nachgang gegenüber allfälligen durch Bankfinanzierungen beanspruchten Schuldbriefen. Die Amortisationsdauer der Agrarkredite variiert je nach Finanzierungsart zwischen 10 und 17 Jahren.

Die BAK sowie die Bank sind zwei verschiedene Varianten zur Kapitalbeschaffung. Es ist möglich, dass Betriebe beide Finanzierungsmöglichkeiten beanspruchen, oder dass die Bank eine treuhänderische Aufgabe von der BAK übernimmt. Dabei wird ein Bankkonto dazu verwendet, das von der BAK gewährte Darlehen zu überwachen, damit das Fremdkapital zweckgebunden verwendet wird. Beiträge für Investitionsvorhaben (à Fonds perdu)

Schweizer Berghilfe

Eine weitere Finanzierungsvariante welche in unserer Region genutzt werden kann, ist die Schweizer Berghilfe. Dabei handelt es sich um eine Institution, welche sich für den Erhalt der Berggebiete als vielfältiger Lebens- und Wirtschaftsraum einsetzt. Gerade die Landwirtschaft in Bergregionen kann von Beiträgen der Berghilfe profitieren. Projekte, die zur Förderung oder zum Erhalt von Wertschöpfungsquellen oder Arbeitsplätzen dienen, können eine finanzielle Unterstützung mittels Gesuchs beantragen. Der Berghilfe-Betrag ist dabei von Gesuch zu Gesuch unterschiedlich und wird anhand der Gesamtkosten des Projektes, der möglichen Eigenleistungen und tragbarer Fremdfinanzierungsmöglichkeiten abhängig gemacht. Die Beiträge sind in der Regel à Fonds perdu Beiträge. Weitere Informationen zur Berghilfe finden Sie unter Schweizer Berghilfe.  

Persönliche Vorsorge für Landwirtinnen und Landwirte

Wie bereits zu Beginn des Blogs erwähnt, können landwirtschaftliche Gewerbe mit übrigen Gewerbebetrieben verglichen werden. Ein Landwirtschaftsbetrieb wird vorwiegend als Einzelunternehmung geführt. Bedeutet, dass die Inhaberin oder der Inhaber des Betriebes selbständig erwerbend ist. Als Selbständigerwerbende Person ist man im Gegenteil zu einer Person, die bei einem Arbeitgeber angestellt ist, nicht automatisch in der 2. Säule (berufliche Vorsorge) versichert. Dies bringt mit sich, dass der beruflichen Vorsorge bereits zu Beginn der Betriebsführung Rechnung getragen werden sollte, um allfällige Vorsorgelücken zu vermeiden. Diese Überlegungen sollten zudem nicht nur für den Betriebsinhaber selbst, sondern auch für den/die Ehepartner(in), welche(r) ohne Entgelt im Betrieb mitarbeiten, gemacht werden.

Neben der AHV-Altersrente stellt auch der Aufbau eines gut funktionierenden Betriebes einen wichtigen Teil der Altersrente dar. Sind während den Betriebsjahren neben den laufenden Kosten freie finanzielle Mittel vorhanden, ist ein zusätzlicher Aufbau einer Altersvorsorge im Rahmen der 2. Säule sinnvoll und steuerlich vorteilhaft.

Zusätzlich zur Ansparung von Guthaben in der 2. Säule, besteht die Möglichkeit, sich mit Einlagen in die gebundene Säule 3a oder die freie Säule 3b auf die Pension vorzubereiten. Selbständigerwerbende, die nicht in der beruflichen Vorsorge versichert sind, haben die Möglichkeit, bis 20 % des Einkommens, maximal jedoch CHF 35'280.00 pro Jahr, in die gebundene Vorsorge Säule 3a einzuzahlen. Neben dem positiven Vorsorgeeffekt können diese Einzahlungen steuerlich geltend gemacht werden und dem steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Die Einzahlungen in die freie Vorsorge Säule 3b sind unbegrenzt möglich, aber nicht steuerlich privilegiert.

Das Risiko einer Vorsorgelücke besteht nicht nur für das Alter respektive der Pensionierung, sondern auch während der selbständigen Erwerbstätigkeit zur Sicherung des Existenzbedarfes bei Invalidität oder Tod. Es empfiehlt sich deshalb, eine entsprechende Vorsorgeanalyse durchführen zu lassen, damit alle Risiken individuell beurteilt werden können.

Zum Ansparen von Kapital für die Pensionierung oder zur Abdeckung von Risken bei Invalidität oder Tod gibt es sehr viele verschiedenen Produkte von Banken oder Versicherungen. Die Auswahl des optimalen Produktes muss stets individuell und idealerweise anhand einer vorgängigen Vorsorgeanalyse angeschaut werden.

Nutzen Sie das Fachwissen von Spezialisten

Sowohl bei der Finanzierung des landwirtschaftlichen Betriebes wie auch bei Vorsorgefragen als selbständige(r) Landwirt(in) gibt es viele Dinge zu beachten. Es lohnt sich daher, sich von den entsprechenden Fachleuten unterstützen zu lassen. Sei es beispielsweise durch die Spezialisten der BAK beim Starthilfedarlehen, beim Treuhänder in steuerlichen Fragen oder durch die Bank bei der Finanzierung der Liegenschaft. Die Spar- und Leihkasse Frutigen AG unterstützt Landwirtschaftsbetriebe mit Sitz im Geschäftsgebiet der Bank und steht als Geschäftspartnerin gerne für alle Fragen rund um Finanzierungs- und Vorsorgethemen zur Seite.

 

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Anrede*

Ein Beitrag von

Marco Loosli

Leiter Finanzieren I Co-Leiter Beratung I Stv. Direktor

dipl. Betriebsökonom FH
Eintritt 1999

Als Leiter Finanzieren und Co-Leiter Beratung ist er für das Kreditportfolio der Bank sowie für die Kundenberatung im Kreditbereich verantwortlich und betreut zudem einen eigenen Kundenstamm. Durch die langjährige Praxiserfahrung ist er ein kompetenter Gesprächspartner in sämtlichen Bankthemen mit einem speziellen Augenmerk auf den Finanzierungsbereich.