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Das Vermögen nachhaltig investieren

Ökologie und Ressourcenschonung sind Begriffe der Stunde. Daher ist es nicht überraschend, dass nachhaltige Investitionen auch in der Finanzbranche boomen. Doch halten die Anlagen auch wirklich, was sie versprechen?

Wohlstand und Ressourcenverbrauch

Unser Wohlstand geht mit hohem Ressourcenverbrauch und Verteilungskonflikten einher. Oft stehen kurzfristige Gewinnmaximierung und nachhaltiges Wirtschaften im Widerspruch zueinander. Die Probleme sind ausserdem häufig nicht mehr lokal, sondern global. Dennoch ist die Rendite nachhaltiger Anlagen mit derjenigen von konventionellen mittlerweile vergleichbar. Dies wurde in den letzten Jahren mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen.

Motive für nachhaltiges Investieren gibt es mehrere: eine bessere Performance mit weniger Risiko, das Vermeiden von Reputationsrisiken, ein Wettbewerbsvorteil für Anlagestiftungen oder die Umsetzung von Anlegerinteressen.

Von ESG-Kriterien und PRI-Investments

Aktuell bestehen in der Schweiz auch für institutionelle Anleger wie Pensionskassen keine expliziten gesetzlichen Anforderungen in Bezug auf ESG-Kriterien. Inzwischen gibt es auch viele Möglichkeiten von Mitgliedschaften, um Standards auch öffentlichkeitswirksam zu adaptieren. Trotzdem betreiben die grossen Vermögensverwalter heute eigene ESG-Research-Abteilungen. Aber was sind eigentlich ESG-Kriterien und was bedeuten Mitgliedschaften? 

Welche ESG-Kriterien gibt es?

E wie Environment (Umwelt):

  • Massnahmen gegen die Klimaveränderung wie zum Beispiel ein kleiner CO2-Fussabdruck und tiefe CO2-Emissionen.
  • Schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Biodiversität, Landnutzung und Materialverbrauch.
  • Weniger Abfall und Verschmutzung.
  • Schaffung von Möglichkeiten und Chancen im Bereich Umwelt wie zum Beispiel Clean Tech und erneuerbare Energien.

S wie Social (Soziales)

  • Humankapital wie zum Beispiel Weiterbildungsmöglichkeiten, Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden.
  • Produkthaftbarkeit wie zum Beispiel Produkt- und Datensicherheit.
  • Miteinbezug von Kunden und Lieferanten.
  • Möglichkeiten und Chancen im sozialen Bereich wie Zugang zu Kommunikation und Gesundheitswesen.

G wie Governance (Unternehmensführung)

  • Elemente einer guten Unternehmensführung: Dazu gehören zum Beispiel die Zusammensetzung des Verwaltungsrats beziehungsweise des Managements, kein Doppelmandat und das Management von Vergütungen.
  • Verhalten auf Unternehmensebene, zum Beispiel in Bezug auf ethische Fragen, Transparenz und Korruption.

Was sind die Principles for Responsible Investment?
Die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Initiative widmet sich der praktischen Umsetzung der von ihr definierten sechs Prinzipien für verantwortungsbewusstes Investieren.

  • «Wir werden ESG-Themen in die Analyse- und Endscheidungsprozesse im Investmentbereich einbeziehen.»
  • «Wir werden aktive Anteilseigner sein und ESG-Themen in unserer Investitionspolitik und -praxis berücksichtigen.»
  • «Wir werden Unternehmen und Körperschaften, in die wir investieren, zu einer angemessenen Offenlegung in Bezug auf ESG-Themen anhalten.»
  • «Wir werden die Akzeptanz und die Umsetzung der Prinzipien in der Investmentbranche vorantreiben.»
  • «Wir werden zusammenarbeiten, um unsere Wirksamkeit bei der Umsetzung der Prinzipien zu steigern.»
  • «Wir werden über unsere Aktivitäten und Fortschritte bei der Umsetzung der Prinzipien Bericht erstatten.»

Ziel ist ein besseres Verständnis der Auswirkungen von Investitionsaktivitäten auf ESG-Kriterien sowie die Integration dieser Fragestellungen in die Anlageentscheidungen. Der Initiative sind weltweit über 3'000 Mitglieder aus über 60 Ländern angeschlossen, die zusammen über ein Anlagekapital von mehr als 100 Billionen US-Dollar verfügen.

Nachhaltige Anlagen haben sich in den letzten Jahren verzehnfacht

Nachhaltiges Investieren geht über negative Selektionskriterien hinaus. Durch Integration wesentlicher ESG-Informationen in den Anlageprozess wird gewährleistet, dass die Portfoliorendite vergleichbaren konventionellen Anlagen standhält. Denn dabei werden jene Unternehmen ausgewählt, die besonders gut für künftige Herausforderungen gerüstet sind. Nachhaltige Finanzanlagen haben deshalb enorm an Bedeutung gewonnen, sowohl in der Vermögensverwaltung und der Anlageberatung als auch bei Pensionskassen und Versicherungen. So haben sich in der Schweiz solche Anlagen über die letzten fünf Jahre hinweg mehr als verzehnfacht: von 140 Milliarden Franken im Jahr 2015 auf über 1525 Milliarden Franken im Jahr 2020.

Auch die Digitalisierung begünstigt ESG-Anlagen: Die heutigen Möglichkeiten bei der Datenanalyse erlauben es, durch das Einbeziehen relevanter ESG-Informationen und durch das Erkennen von Zusammenhängen zwischen einzelnen Faktoren und der Gesamtperformance die Rendite-Risiko-Eigenschaften eines Portfolios zu verbessern. MSCI ESG Research, die Nummer eins im Markt, ist die Hauptdatenquelle. Bei diesem Unternehmen sind mehr als 200 Analysten weltweit für die Datensammlung und -aufbereitung zuständig.

Worauf es bei ESG-Portfolios ankommt

So werden ESG-Strategien bei Aktien-, Anleihen- und Immobilienanlagen umgesetzt:

  • Eine konsequente Ausübung der Stimmrechte und den Dialog mit den Firmen suchen.
  • Ausschlusskriterien greifen, wenn Unternehmen mit ihren Geschäftspraktiken oder den hergestellten Produkten internationale Normen oder Standards verletzen (etwa bei der Herstellung von Landminen, Kohlegewinnung, Waffenentwicklung oder Tabakherstellung. Kinderarbeit, Missachtung von Menschenrechten oder Steuerhinterziehung). Zusätzlich erfolgt ein Prüfvorgang mittels der Ausschlussliste des Schweizer Vereins für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK-ASIR). Der Verein wurde im Dezember 2015 von bedeutenden institutionellen Investoren gegründet. Die komplette Liste der empfohlenen Ausschlüsse ist öffentlich.
  • Wie bereits erwähnt, reicht blosses Ausschliessen nicht aus. Bei der Integration werden die ESG-Kriterien stärker gewichtet, die sich langfristig voraussichtlich positiv auf die risikobereinigten Anlagerenditen auswirken. Dabei scheint es Nischen zu geben, in denen der ESG-Ansatz besonders gute Resultate erzielt, beispielsweise in den "Emerging Markets" (wachsende Schwellenmärkte). Und auch bei den einzelnen ESG-Faktoren gibt es Unterschiede. Governance-Massnahmen (G) wirken sich am vorteilhaftesten auf die Renditen aus, vor Umweltschutzmassnahmen (E) und der Einbeziehung sozialer Ziele (S).
  • Die letzte Komponente besteht darin, dass bei aktiv gemanagten Produkten die Erwärmungsziele des Pariser Klimaabkommens zugrunde gelegt werden. Das heisst, die gemessenen CO2-Emissionen der in den Fonds gehaltenen Anlagen müssen jährlich sinken.

Bei Immobilienanlagen werden mit Gebäudelabel, Gebäudeoptimierung und ESG-Benchmarking neue Ansätze entwickelt.

Eine kritische Würdigung

Es gibt auch kritische Stimmen zu den komplexen Fragestellungen in diesem Thema. Leisten aktuelle ESG-Investments wirklich einen positiven Beitrag für die Welt? Die bisherigen Gewinner sind weder die Umwelt noch die Gesellschaft, sondern vor allem eine neue, mächtige Bürokratieebene, angeführt von den ESG-Rating-Agenturen. Unterstellt man als eigentliches Ziel von Nachhaltigkeit, dass die Menschen effizienter mit ihren Ressourcen umgehen, dann ist die ESG-Industrie alles andere als nachhaltig. Tatsächlich ist der Kostenfaktor für praktisch alle institutionellen Anleger in der Schweiz der grösste Knackpunkt. Alles in allem greift der ESG-Ansatz beim Investieren aktuell zu kurz, denn er funktioniert grösstenteils nach einem reinen Ausschlussverfahren von angeblich «schlechten» Firmen. Eine langfristige Wirkung (Impact) erzielten jedoch Anlagen, die dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen.

Nachhaltig investieren bei der Spar- und Leihkasse Frutigen AG

Alle Verwalter von Fondsprodukten in unserer Vermögensverwaltung haben die Principles for Responsible Investing (PRI) unterzeichnet, haben insgesamt über 20 weitere Mitgliedschaften im Bereich der Nachhaltigkeit und eigene Research-Abteilungen mit Fokus auf ESG. Alle Vermögensverwalter der übrigen Fondsprodukte engagieren sich auf Organisationsebene, nehmen die Ausübung der Stimmrechte wahr und halten aktuell keine Titel, die sich auf der SVVK-Liste befinden. Nachhaltigkeitskriterien werden im Anlageprozess berücksichtigt und für einzelne Anlagegefässe ESG-Ratings berechnet. Bei den Immobilienmandaten werden mit je über 80% Anteil Klimathemen im Investitionsprozess berücksichtigt, Carbon Footprints berechnet sowie die Konformität mit dem Pariser Klimaabkommen bestätigt.

Die Bestandesaufnahme zeigt, dass bereits eine bedeutende Auseinandersetzung mit diversen Nachhaltigkeitsaspekten stattfindet. Darauf basierend werden wir die Bestandesaufnahme periodisch aktualisieren, eine Nachhaltigkeitsstrategie definieren und die Möglichkeit prüfen, auf Anlageprodukte zu wechseln, welche noch expliziter auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind und das ESG-Label im Produktenamen tragen.

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Anrede*

Ein Beitrag von

Beat Schmid-Lüscher

Leiter Finanz I Co-Leiter Beratung I Mitglied der Geschäftsleitung

Bankfachmann, Finanzplaner und Immobilienverwalter mit eidg. FA, Immobilientreuhänder
Eintritt 1983

Als Leiter Finanz und Co-Leiter Beratung ist er für das Anlageportfolio der Bank verantwortlich. Durch die langjährige Praxiserfahrung ist er ein kompetenter Gesprächspartner in sämtlichen Bankthemen mit einem speziellen Augenmerk auf das Anlagegeschäft.