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Meine eigene Firma gründen

In der Schweiz werden pro Jahr rund 40'000 neue Firmen gegründet. Im Jahr 2020 wurden trotz einem ungewissen wirtschaftlichen Umfeld mit der Coronasituation sogar ein neuer Rekord mit über 45'000 Neugründungen registriert. Der Wunsch, sein eigener Chef zu sein, ist nach wie vor ungebrochen. Der Schritt zur Selbstständigkeit ist aber auch mit Risiken verbunden. In diesem Blog werde ich die wichtigsten Schritte im Zusammenhang mit einer Firmengründung möglichst verständlich darstellen und mit ein paar Tipps ergänzen.

Welche Grundvoraussetzungen brauche ich für eine erfolgreiche Firmengründung

  • Eine gute und realistische Geschäftsidee
  • Leidenschaft und Überzeugung zur Umsetzung der Geschäftsidee
  • Hartnäckigkeit und Ausdauer für den Aufbau einer Unternehmung
  • Verantwortungsbewusstsein für die eigene Unternehmung mit den Mitarbeitern, Partnern, Kunden und Kapitalgebern
  • Unternehmerisches Denken
  • Mut Entscheidungen zu treffen

Schritt für Schritt zum eigenen Unternehmen

Wenn man sich mit den erwähnten Grundvoraussetzungen auseinandergesetzt hat, gilt es ein paar Schritte abzuarbeiten, um überhaupt die ersten Arbeiten ausführen oder die ersten Kunden empfangen zu können.

Keine Angst vor dem Businessplan

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass manche Klein- und Kleinstbetriebe davor zurückschrecken, wenn die Bank oder ein anderer Geldgeber einen Businessplan verlangt. Viele sind der Meinung, dass wir als Bank immer ein 30seitiges Dokument erwarten. Gerne möchte ich hier diesem Schreckgespenst Businessplan entgegenwirken. Der Businessplan ist nichts anderes als ein Papier, in dem die Gedanken und Pläne des Firmengründers so niedergeschrieben sind, dass sie ein Dritter versteht und nachvollziehen kann.

Da der Firmengründer beim Verfassen des Businessplans seine Gedanken und Pläne genau formulieren muss, strukturiert er seine Gedanken viel einfacher und klarer.

Dabei hilft ein einfaches Schema mit ein paar wichtigen Punkten, die in einem Businessplan zumindest vorkommen sollten. Es werden nicht 30 Seiten erwartet, jedoch müssen die wichtigsten Punkte aufgegriffen und nachvollziehbar erklärt werden.

  1. Vision und Strategie: Was ist das Ziel meines Vorhabens? Was sind meine wichtigsten Vorteile gegenüber bestehenden Angeboten?
  2. Markt und Marketing: Was ist mein Absatzmarkt, wer sind meine potenziellen Kunden? Wie und wo will ich diese erreichen?
  3. Organisation und Management: Wie sieht meine interne Organisation aus? Welche Ressourcen benötige ich? Was ist der zeitliche Fahrplan des Vorhabens?
  4. Finanzen und Risiken: Welche finanziellen Mittel werden benötigt? Woher kommen sie? Wie sieht meine Erfolgsrechnung in den ersten Jahren aus? Wo sind die Risiken bei der Umsetzung?

Je grösser und komplexer das Vorhaben, umso umfangreicher fällt in der Regel ein Businessplan aus. Im Internet sind verschiedenste Businesspläne und Vorlagen online verfügbar. Als Beispiel sei hier das KMU-Portal des Eidg. Departements für Wirtschaft Bildung und Forschung erwähnt, welches verschiedene Vorlagen und Muster zur Verfügung stellt.

Welches ist die richtige Rechtsform für meine Firma

Hier stellt sich die Frage, in welchem rechtlichen Rahmen ich mein Geschäft ausüben will. Dazu muss man sich für eine Rechtsform entscheiden. Die drei häufigsten gewählten Rechtsformen in der Schweiz sind die Einzelunternehmung, die GmbH sowie die Aktiengesellschaft. Diese drei Rechtsformen reichen aus meiner Sicht aus, um das passende Rechtskleid für die eigene Firma zu finden. Es gibt noch weitere Rechtsformen, welche jedoch nur selten angewendet werden. Hier ein kurzer Überblick mit den wichtigsten Fakten und den entsprechenden Vor- bzw. Nachteilen zu den drei genannten Rechtsformen:

Einzelfirma

Verwendungszweck

Kleinunternehmen mit personenbezogener Tätigkeit

Rechtsnatur

Alleineigentum des Firmeninhabers

Anforderungen Firmengründung 

Aufnahme regelmässiger wirtschaftlicher Tätigkeit, ab einem jährlichen Umsatz von CHF 100'000.00 ist die Eintragung im Handelsregister erforderlich

Erforderliches Kapital

Keine Auflagen

Haftung

Unbeschränkte persönliche Haftung des Inhabers

Organisation

Keine zwingenden Organe

Steuerpflicht

Inhaber für gesamtes Einkommen und Vermögen (Geschäft und Privat)

Vorteile

Einfach, günstig, weniger strenge Bilanzierungsvorschriften, steuerliche Einfachbelastung 

Nachteile

Persönliche Haftung, Nachfolge, Mitarbeiterbeteiligung, höhere Steuern bei Verkauf oder Überführung

Aktiengesellschaft 

Verwendungszweck

Geeignet für Unternehmungen mit hohem Kapitalbedarf und mehreren Teilhabern

Rechtsnatur

Juristische Person

Anforderungen Firmengründung

Die Gründung der AG muss mit Statuten, Wahl des Verwaltungsrates und der Revisionsstelle öffentlich beurkundet werden. Anschliessend Eintragung ins Handelsregister

Erforderliches Kapital

Mindestaktienkapital von CHF 100'000.00 als Bar- oder Sacheinlage, wovon CHF 50'000.00 als Mindesteinlage bei Gründung

Haftung

Ausschliessliche Haftung durch das Gesellschaftsvermögen 

Organisation 

Generalversammlung, Verwaltungsrat und Revisionsstelle

Steuerpflicht

Gesellschaft für Gewinn und Eigenkapital Aktionär für Aktienwert und Dividende

Vorteile

Haftungsbeschränkung, formelle Struktur, Möglichkeiten für Nachfolgeregelung und Beteiligung Dritter

Nachteile

Hohes Gründungskapital, Kosten, steuerliche Zweifachbelastung

GmbH

Verwendungszweck

kleine und mittelgrosse personenbezogene Kapitalgesellschaften 

Rechtsnatur

Juristische Person

Anforderungen Firmengründung 

Die Gründung der GmbH muss mit Statuten öffentlich beurkundet werden. Anschliessend Eintragung ins Handelsregister. 

Erforderliches Kapital

Mindestgesellschaftskapital von CHF 20'000.00

Haftung

Ausschliessliche Haftung durch das Gesellschaftsvermögen

Organisation

Gesellschaftsversammlung, Geschäftsführer und evtl. Revisionsstelle

Steuerpflicht

Gesellschaft für Gewinn und Eigenkapital, Gesellschafter für Anteile als Vermögen und Gewinnverteilung als Einkommen

Vorteile

Haftungsbeschränkung, weniger Kapital notwendig als bei AG

Nachteile

Übertragung der Anteile aufwändiger, steuerliche Zweifachbelastung 

Aktuell stelle ich fest, dass bei vielen auch kleineren KMU im Zuge von Nachfolgelösungen die bestehende Einzelfirma in eine juristische Person, also in eine AG oder auch GmbH umgewandelt wird. Obwohl die Gründung der Einzelfirma viel einfacher und schlanker geht, sollte man sich deshalb bei der Neugründung der eigenen Firma gut überlegen, ob für die Zukunft eine juristische Person nicht mehr Vorteile bringt. Der Aufwand einer Umwandlung zu einem späteren Zeitpunkt ist meist grösser, als wenn man dies bereits von Beginn weg macht.

Auch hier bietet das KMU-Portal des Eidg. Departements für Wirtschaft Bildung und Forschung eine gute Grundlage und Übersicht zu den einzelnen Rechtsformen.

Woher kommt das Geld für mein Geschäft

Aus dem Businessplan sollte hervorgehen, wie viel Geld man für den Aufbau der eigenen Firma benötigt. In der Regel wird ein Teil der benötigten Mittel aus Eigenkapital bereitgestellt, also eigenes Kontoguthaben. Tipp: Bei Aufnahme der Selbstständigkeit ist ein Vorbezug aus der 2. Säule bzw. Säule 3a eine mögliche Finanzierungsvariante. Diese Gelder könnten somit als Eigenkapital eingesetzt werden.

Falls die notwendigen Mittel nicht vollständig durch Eigenkapital gedeckt werden können, muss auf Fremdkapital zurückgegriffen werden. Wie es der Begriff schon sagt, werden dabei Gelder von Dritten für die eigene Firma beansprucht. Dabei können diese Gelder mittels Kredite von Drittpersonen zur Verfügung gestellt werden. Zum Beispiel durch ein Darlehen der Bank (oder auch einer Privatperson), welches verzinst und in Raten zurückbezahlt werden muss. Es gibt auch die Möglichkeit, dass sich die Drittpersonen direkt an der Firma beteiligen. Dies beispielsweise durch Kauf einer gewissen Anzahl Aktien der neuen Unternehmung.

Die klassische Fremdfinanzierung ist der Kredit bei der Bank. Beim Bankkredit gibt es folgende Unterscheidungen:

  • Kontokorrentkredit
    Kontokorrentkonto mit einer Kreditlimite zur Sicherstellung der Liquidität bei auftragsbedingten oder saisonalen Schwankungen.
  • Darlehen
    Zur Finanzierung von Betriebsmitteln (Maschinen, Fahrzeuge, Infrastruktur) mit festem oder variablem Zinssatz und definierter Rückzahlungsrate.
  • Hypothek
    Zur Finanzierung der Geschäftsliegenschaft mit festem oder variablem Zinssatz und definierter Rückzahlungsrate.

In der Regel hängen die Kreditvergabe und die Konditionen von den Möglichkeiten einer Sicherstellung des Kredites – sprich den «Sicherheiten», wie einer Betriebsliegenschaft oder Versicherungspolicen, u.a. ab. Zudem spielt die Bonität der Unternehmung (Beurteilung der Kreditwürdigkeit einer Firma) eine wichtige Rolle. Die genauen Voraussetzungen und Konditionen zu den einzelnen Finanzierungsformen der Spar- und Leihkasse Frutigen AG sind auf unserer Website ersichtlich. Und nicht vergessen, keine Angst vor dem Businessplan. Die Bank kann sich dadurch einen guten Überblick über das Geschäftsmodell machen. Der Businessplan bildet damit eine gute Basis für den Kreditentscheid.

Neben der klassischen Bankfinanzierung gibt es auch die Möglichkeit über Crowdlending die notwendigen Mittel zu beschaffen. Beim Crowdlending geben in der Regel mehrere Privatpersonen Geld in einen Topf, um neu gegründete Firmen direkt mit Darlehen zu versorgen. Auch hier ist für das Darlehen ein Zins geschuldet und auch ist das Darlehen in einer bestimmten Frist abzuzahlen. Weiterführende Infos zum Crowdlending Modell sind beispielsweise hier zu finden.

Weitere finanzielle Unterstützungsformen

In der Schweiz gibt es verschiedene Instrumente, um den Wirtschaftsstandort zu fördern. Dabei stehen neuen und bestehenden Firmen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um weitere finanzielle Unterstützung zu erhalten. Gerade bei neu gegründeten Firmen sind dies aus meiner Sicht wichtige Unterstützungsmöglichkeiten, welche bei Bedarf in Betracht gezogen werden sollten.

  • Bürgschaftsgenossenschaft BG Mitte Die Bürgschaftsgenossenschaft verbürgt gegenüber der Bank Kredite und hilft so KMU-Betrieben, zu Fremdkapital ohne Sicherstellung bei der Bank zu gelangen. Dabei kann es sich um eine Neugründung, Nachfolgeregelung oder auch eine Investition in den bestehenden Betrieb handeln. Weitere Informationen finden Sie hier.
  • Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredite Die SGH vergibt direkte Darlehen für Investitionsprojekte von Beherbergungsbetrieben. Die Finanzierungen der SGH schliessen in der Regel die Finanzierungslücke zwischen Bankkredit und dem gewünschtem Investitionskapital. Hier finden Sie die Informationen zur SGH.
  • Schweizer Berghilfe Die Schweizer Berghilfe unterstützt zukunftsfähige Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus und Gewerbe. Die Unterstützung erfolgt mit à-fonds-perdu-Beiträgen vor allem für kleinere KMU-Betriebe in den Bergregionen. Die Beiträge decken eine Finanzierungslücke, welche weder durch andere Beiträge noch durch Kredite gedeckt werden können. Grundvoraussetzung ist, dass der Betrieb in einer Bergzone liegt. Die genauen Vorgaben sind auf der Homepage der Schweizer Berghilfe ausgewiesen.

Nutzen Sie das Fachwissen anderer

Bei der Gründung und dem Aufbau des eigenen Unternehmens gibt es viele Dinge zu beachten. Es lohnt sich daher, sich von den entsprechenden Fachleuten unterstützen zu lassen. Sei es beispielsweise durch den Notar bei der Firmengründung, durch den Treuhänder bei der Abrechnung der MWST oder durch die Bank beim Investitionsdarlehen. Die Spar- und Leihkasse Frutigen AG unterstützt Firmen mit Sitz im Geschäftsgebiet der Bank und steht als Partnerin gerne bei der Umsetzung der eigenen Geschäftsidee zur Seite.

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Anrede*

Ein Beitrag von

Marco Loosli

Leiter Finanzieren I Co-Leiter Beratung I Stv. Direktor

dipl. Betriebsökonom FH
Eintritt 1999

Als Leiter Finanzieren und Co-Leiter Beratung ist er für das Kreditportfolio der Bank sowie für die Kundenberatung im Kreditbereich verantwortlich und betreut zudem einen eigenen Kundenstamm. Durch die langjährige Praxiserfahrung ist er ein kompetenter Gesprächspartner in sämtlichen Bankthemen mit einem speziellen Augenmerk auf den Finanzierungsbereich.