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Neue Generation von Debitkarten

Von den Anbietern gepriesen, von den Medien gehypt, von den Konsumentenschutzformaten kritisiert: Was steckt tatsächlich in den neuen Debitkarten und wie reihen sie sich in die bestehende Kartenwelt ein?

Es ist eine Karte, mit der alles auf einmal möglich wird: weltweites Bezahlen und Abheben, sicheres Online-Shopping und mobiles Bezahlen per Smartphone oder Wearable. Dazu volle Kostenkontrolle dank direkter Abbuchung vom Bankkonto. Das ist die Debit Mastercard (DMC). Eine Karte für alles. Eine Karte für den Alltag, die den klassischen Kreditkarten kaum noch in etwas nachsteht. Dafür kostet sie aber meistens auch etwas mehr als die bewährte Maestro-Karte.

Die beliebteste Karte der Schweiz

Debitkarten sind beliebt. In der Schweiz sind sie millionenfach in Umlauf. Die Karten sind mit einem Bankkonto verknüpft, mit ihnen kann der Kunde an jedem Geldautomat Bargeld beziehen und an Millionen von Verkaufspunkten weltweit bezahlen. Der Betrag wird umgehend dem Bankkonto belastet, dies im Unterschied zur Kreditkarte, mit der man auf Kredit einkauft und einmal im Monat eine Rechnung erhält. Am weitesten ist in der Schweiz die Maestro-Karte, die bekannte Debitkarte von Mastercard verbreitet. Doch bald ist Schluss mit der Maestro-Karte. Die Finanzdienstleister und die Kartengesellschaften haben damit begonnen, sie durch neue, leistungsfähigere Debitkarten wie die Debit Mastercard zu ersetzen.

Bereit für Online-Shopping

Der grösste Vorteil der neuen Debitkarten gegenüber der Maestro-Karte: Mit den neuen Debit Mastercard kann der Nutzer auch in Onlineshops einkaufen und bezahlen, im Internet ebenso wie in App Stores und in Apps. Die Karte unterstützt auch mobile Bezahlsysteme wie Apple Pay, Google Pay oder Samsung Pay. Ausserdem kann man sie für Abonnement-Services wie Netflix oder Spotify verwenden, zur Reservation von Hotelzimmern oder Mietautos oder zur Zahlung an Mautstellen usw. Damit die Debit Mastercard online einsetzbar ist, muss sie einmalig für das Sicherheitsverfahren 3-D Secure registriert werden. Mit 3-D Secure muss der Konsument dann in Onlineshops die Zahlung per Mobiltelefon bestätigen und ist dadurch besser vor Betrug geschützt.

Sehr hohe Akzeptanz – weltweit

Überall dort, wo Kreditkarten akzeptiert sind, funktioniert auch die neue Debit Mastercard. Das sind global rund 43 Millionen Verkaufsstellen – und damit zehn Millionen mehr als bei der Maestro-Karte. Die Debit Mastercard lässt sich folglich zum Beispiel auch für Billettkäufe in der SBB-App verwenden. Mit der Maestro-Karte war das nicht möglich. Funktional ist die Debit Mastercard also nahezu identisch mit der Kreditkarte. Aber: Während die Kreditkarte die Teilnahme an einem Bonusprogramm ermöglicht oder bei gewissen Einkäufen oder Buchungen Versicherungsschutz bietet, gibt es solche Zusatzleistungen bei der Debitkarte nicht. Experten empfehlen deshalb, gerade auf Auslandreisen zur Sicherheit auch eine Kreditkarte dabei zu haben. Diese hat meist höhere Limiten als eine Debitkarte und bietet je nach Anbieter praktischen Versicherungsschutz.

Neue Debit Mastercard wird unseren Kunden automatisch zugeschickt

Wie läuft die Ablösung der Maestro-Karte durch die Debit Mastercard? Bei der Spar- und Leihkasse Frutigen AG werden alle Kunden in den Monaten April und Mai 2022 mit der neuen Debit Mastercard ausgerüstet. Die alte Maestro-Karte verfällt mit der erstmaligen Benutzung der neuen Karte. Wer jetzt seine Maestro-Karte ersetzen muss oder eine Zusatzkarte bestellt, erhält schon heute die neue Debit Mastercard. Somit bietet unsere Bank die alte Maestro-Karte bereits nicht mehr an. Die Kartengesellschaften haben angekündigt, die Maestro-Karte bis spätestens 2024 vom Markt zu nehmen. 

Preis und Leistung

Bei der Spar- und Leihkasse Frutigen AG kostet die Debit Mastercard CHF 40 pro Jahr. Darin sind unbeschränkt Bancomat-Bezüge an sämtlichen Geldautomaten in der Schweiz inbegriffen. Die Gebühr für die Maestro-Karte betrug CHF 30 pro Jahr. Damit ist die neue Karte etwas teurer. Die Kunden erhalten dafür aber auch eine deutlich bessere Dienstleistung: der Online-Einkauf wird möglich und die Karte kann für Reservationen hinterlegt werden. Der eine oder andere Kunde wird aufgrund der neuen Funktionalitäten vielleicht auch auf seine Kreditkarte verzichten können und so unter dem Strich Gebühren einsparen. Dieser Möglichkeit betrifft wohl aber nur Kunden, die selten oder nie ins Ausland reisen – dort bietet die Kreditkarte wie vorerwähnt nämlich nach wie vor gewichtige Vorteile. 

Vergleich mit der Maestro- und der Kreditkarte

Allerlei Wissenswertes rund um die Gebühren

Dem Wechsel von den alten zu den neuen Debitkarten ist ein längeres Tauziehen zwischen den Kartengesellschaften und dem Handel vorausgegangen. Auch die Banken hatten es nicht sonderlich eilig, weil sie an Kreditkartenzahlungen mehr verdienen als an Zahlungen mit der neuen Debit Mastercard. Die Händler dagegen drängten auf eine rasche Verbreitung der neuen Karte und damit auf tiefere Gebühren im Vergleich zu Kreditkarten-Transaktionen. Ausserdem waren die Händler sehr daran interessiert, dass die Debitkarte, als die am weitesten verbreitete Karte, auch für Onlinekäufe geöffnet wird. Von dieser Öffnung versprechen sich die Händler deutliche Absatzsteigerungen beim Onlineverkauf.

Interchange-Gebühren wurden mit der Maestro-Karte nur auf Transaktionen im Ausland erhoben. Mit der neuen Anwendungsmöglichkeit der Debit Mastercard für Onlineshopping werden die Interchange-Fees nun auch für Einkäufe im Inland fällig (eCommerce). Die maximalen Interchange-Ansätze werden in der Schweiz durch die Wettbewerbskommission (Weko) festgelegt und sind mittelfristig fix, langfristig kann es aber zu Änderungen kommen. Durch den Einbezug der Weko sind die Interchange-Sätze in der Schweiz deutlich tiefer als im Ausland.

Die Gebühren der Debit Mastercard sind für die Händler grundsätzlich höher als mit der Maestro-Karte, aber tiefer als bei der Kreditkarte. Diese Regel gilt aber nicht für jeden Fall, da die Gebührenansätze für die Maestro-Karte in Rappen definiert waren und für die Debit Mastercard neu Prozentwerte herangezogen werden. Kleine Beträge sind für die Händler somit häufig günstiger als bisher mit der Maestro-Karte. In den hiesigen Konsumentenschutz-Formaten, wo die neue Debit Mastercard teilweise stark kritisiert wurde, wurden teils unpassende Beispiele mit Transaktionen gewählt, die ein Kunde eher mit der Kreditkarte abwickeln würde. So würde ein Konsument einen grossen Betrag für einen werthaltigen Kauf wohl mit der Kreditkarte bezahlen. Einerseits weil er auf der Debitkarte keine ausreichende Limite hätte, andererseits weil der Einkauf durch die Bezahlung mit der Kreditkarte auch gleich versichert wäre und der grosse Betrag erst Ende Monat vom Konto abgebucht werden würde. Wäre die Debit Mastercard in Zukunft tatsächlich eine Alternative, dann würden sich die Transaktionsgebühren für den Händler in dem konkreten Beispiel eher verringern, weil in dem Fall von der Kreditkarte auf die Debitkarte umgestiegen wird und nicht von der Maestro-Karte auf die Debit Mastercard.

Das Gebührenwesen ist zugegebenermassen nicht sehr transparent und nicht öffentlich zugänglich. Die Händlergebühren, die sogenannten Interchange-Fees, werden zwischen den Herausgebern der Kartenlesegeräte (Acquirer) und den Händlern vereinbart und sind branchen- und volumenabhängig. So ist es auch möglich, dass grössere Händler Spezialkonditionen mit ihrem Lieferanten einhandeln können und somit besser stehen als kleinere Mitbewerber. Die Standardkonditionen des grössten Schweizer Acquirers liegen für die Debit Mastercard bei CHF 0.10 + 0.49% pro Transaktion mit einer Preisobergrenze von CHF 2.00 pro Transaktion. Die Preisobergrenze ist demnach mit einem Einkauf von rund CHF 388.- erreicht. Die Banken haben wie bereits erwähnt keinen Einfluss auf die Gebühren, die die Händler bezahlen. Von der gesamten Händlergebühr gehen maximal 27.5% als Interchange-Ertrag an die Bank – auch der Anteil der Bank ist wieder abhängig von Volumen und Branche. Transaktionen mit einer Visa Debit Karte – die wir unseren Kunden nicht anbieten – sind für den Händler übrigens rund doppelt so teuer wie mit der Debit Mastercard.

 

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