Eigentlich wollte Stephan Bärtschi nur einen Studentenjob bei der SLF. Seit dem 1. April 2022 ist er Chef der grössten Frutiger Bank. Nach mehr als drei Jahren in dieser Funktion blickt er auf eine erfolg­reiche und bewegte Zeit zurück. Im Interview erzählt er über seinen Werdegang, zieht eine positive Bilanz, reflektiert über wichtige Meilen­steine, den gemeinsamen Fortschritt im Unternehmen und die Herausforderungen, die es zu meistern galt. Gleichzeitig gibt er einen vielversprechenden Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen bei der SLF.

Die Lernenden der SLF im Gespräch mit Stephan Bärtschi

... der Weg zur SLF

Welchen Lehrabschluss hast du gemacht?
Stephan Bärtschi: Ich habe bei der SLF eine Lehre als kaufmännischer Angestellter absolviert. Die Lehrzeit war ausgesprochen positiv, speziell weil ich durch den halbjährlichen Ab­teilungswechsel einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Unter­nehmensbereiche gewinnen konnte. In diesen Genuss der Abteilungswechsel kommen unsere Lernenden immer noch und sie selber betrachten das ebenfalls als grossen Pluspunkt. Im Anschluss habe ich berufsbegleitend die BMS abgeschlossen.

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?
Im Rahmen der Berufswahl stellte sich schnell heraus, dass Büroarbeit und Bank mein Ding waren. Das Schnuppern auf zwei Banken hatte mir gut gefallen. Alternativ schnup­perte ich noch eine Woche in einem Adelbodner Hotel, an der Reception und in der Küche. Ich weiss noch: Als ich eines Abends etwa 40 Salatteller als Vorspeise anrichtete, fand ich es nach deren 20 nicht mehr so span­nend. Das Anrichten der Hauptgänge im Team um den Herd herum, das war dann schon noch cool.

Was war dein erster Eindruck von der SLF?
Ich fühlte mich sofort gut aufgeho­ben, obschon alles neu war und ich niemanden kannte. Ich hatte den Ein­druck, dass mir nach kurzer Zeit be­reits etwas zugetraut wurde. So war ich im ersten Halbjahr bereits am Schalter eingeteilt und durfte bald einmal Kundinnen und Kunden be­dienen.

Wie lange wolltest du ursprünglich bei der SLF bleiben?
Nach der Lehre wurde ich angefragt, ob ich bei der SLF weiterarbeiten wolle. Ich hatte die Absicht. die BMS berufsbegleitend zu absolvieren, und dachte. es wäre für die erste Stelle praktisch, bei der SLF zu bleiben. Im Anschluss könnte ich dann immer noch etwas Neues angehen. Wie wir heute wissen, blieb ich dann ein bisschen länger. (lacht)

Welche Weiterbildungen hast du absolviert?
Ich habe mich zum Bankfachmann weitergebildet. Vor drei Jahren habe ich zudem ein CAS in Leadership für Fortgeschrittene abgeschlossen. Weiter habe ich diverse kleinere Fachkurse zu verschiedenen Themen besucht.

Wer oder was hat dich in deiner be­ruflichen Entwicklung unterstützt oder inspiriert?
Es waren einerseits frühere Vorge­setzte, die mich stets gefördert hatten und mir etwas zutrauten. Inspiration erfahre ich andererseits oft auch, wenn ich andere Firmen und ihre Führung beobachte, sei dies bei re­gionalen Anlässen oder beim Lesen von Biografien oder Sachbüchern. Ich würde mich diesbezüglich als Autodidakt bezeichnen. Für trockene Theorien konnte ich mich oft nicht erwärmen.


. . . mit der SLF erlebt

Mit welchen Situationen oder Erleb­nissen hättest du nie gerechnet?
Ich hätte nicht gedacht, dass ich dank meiner Funktion so vielen spannenden Personen begegnen würde. Ein High­light war sicherlich die Einladung zur Bundesratswahl von Albert Rösti, der davor im Verwaltungsrat unserer Bank Einsitz nahm. Solche Ereignisse sind nicht alltäglich.

Was war die grösste Herausfor­derung für dich als Vorsitzenden der Geschäftsleitung?
Es gibt nicht eine einzelne heraus­ragende Situation. Herausfordernd ist immer wieder die hohe und stets noch zunehmende Regulierung in unserer Branche. Anspruchsvoll war beispielsweise auch, unsere Organi­sation zum Start optimal für die Zu­kunft auszurichten und mit den rich­tigen Personen zu besetzen.

. .. und dein schönstes Erlebnis?
Es gibt viele schöne Erlebnisse. die meine Funktion mit sich bringt. Meist sind es Begegnungen mit interes­santen Personen oder wenn ich po­sitives Feedback zu Mitarbeitenden und zur Bank entgegennehmen darf. So brachte mir kürzlich eine Kundin Pralinen vorbei. die ich einer Mitar­beitenden zum Dank für ihre Hilfe übergeben solle. Das hat mich sehr gefreut.

Würdest du heute etwas anders machen?
Nicht grundlegend. Aber es gibt im­mer wieder Dinge, wo ich im Nach­hinein denke, dass hätten wir anders oder besser machen können. Ich fin­de es wichtig, dass man sich oder sei­ne Entscheide immer wieder reflek­tiert und eine Lernkurve durchläuft. Wir sind alle nicht perfekt. Aber man kann immer wieder dazulernen und an Erfahrung gewinnen. 

. .. die SLF als Bank

Welche Werte der SLF sind für dich besonders wichtig? 
Die regionale Ausrichtung fand ich schon immer ein prägendes und zentrales Element. Dann ist mir der gelebte Teamgeist stets wichtig. Die oft langjährig tätigen Mitarbeitenden empfinde ich als Qualitätsmerkmal. Auf diese Weise entwickelt man eine nachhaltige Denk- und Handlungs­weise. Insbesondere im Bereich des Risikomanagements agiert man an­ders. wenn man davon ausgeht, in fünf oder zehn Jahren noch Teil der­selben Bank zu sein.

Gab es Momente, in denen du stolz auf dein Team oder die Bank warst?
Ja. solche Momente gab und gibt es immer wieder. Zwn Beispiel wenn wir gegen aussen präsent sind, wie vor Kurzem an der Gewerbeausstel­lung in Frutigen. Teammitglieder aus fast allen Abteilungen und Hierar­chiestufen repräsentierten mit Freu­de unsere Bank. Mächtig stolz bin ich, wenn ich die Doppelseite in unserem Geschäftsbericht mit den Porträts vom gesamten Team betrachte. Wir haben so viele tolle Leute!

Wie würdest du die Unter­nehmenskultur bei der SLF beschreiben?
Wir haben eine sehr familiäre Team­kultur. Mitarbeitende auf verschie­denen Ebenen verkehren teils auch privat miteinander. Das verbindet. Im Alltag wird angepackt. Aufgrund der überschaubaren Grösse mit 70 Mitarbeitenden haben wir sehr di­rekt mit allen Mitarbeitenden zu tun. Wir wollen möglichst unbürokratisch sein, auch wenn dies bei den gel­tenden aufsichtsrechtlichen Auflagen nicht einfach ist. Ich denke, all dies spüren die Kundinnen und Kunden, und das ist Teil unseres Erfolgs.

Welche Meilensteine hat die SLF in letzter Zeit erreicht?
Wir haben einiges angepackt. Als erstes passten wir die Organisation an und haben danach einige Nach­wuchstalente mit Kaderfunktionen betraut. Wir haben mehrere Produkte und Dienstleistungen angepasst, meist nicht komplett neu erfunden, son­dern einem Feinschliff unterzogen - und wir sind teils noch dran. Ein Meilenstein war für mich die Einfüh­rung unseres neuen Logos, welches den neuen Schwung nach aussen ge­tragen hat.

... und die Zukunft?

Welche Visionen hast du für die Entwicklung unserer Bank?
Meine Vision ist, dass wir auch in zehn Jahren eine führende, eigen­ständige Regionalbank im Frutigland sind. Ich bin überzeugt, dass gute Be­ratung und der persönliche Kontakt für wichtige Geschäfte auch in Zu­kunft gefragt sind. Gleichzeitig müs­sen wir für gewisse Dienstleistungen technologisch gute, digitale Lösungen bereithalten und diese auch stetig weiterentwickeln. Unsere Produkte müssen wir einfach, verständlich, transparent und unbürokratisch ge­stalten. Und letztlich möchte ich, dass die SLF eine attraktive Arbeitgeberin bleibt. Denn der Erfolg der Bank steht in direktem Zusammenhang mit der Arbeit unseres Teams.

Welche Chancen und Risiken siehst du für die Zukunft?
Ich habe den Eindruck, dass Regio­nalbanken zurzeit im Trend sind. Das Einfache, das Nahbare, die Über­schaubarkeit und die bekannten Per­sonen, die bei uns oft viele Jahre lang arbeiten, sind Elemente, welche die Leute schätzen. Risiken zu managen ist eine Daueraufgabe für eine Bank. Damit beschäftigen wir uns regelmäs­sig auf verschiedenen Ebenen. Auch hier ist es vorteilhaft. dass wir viele langjährig tätige Mitarbeitende haben. Man hat dadurch einen anderen Fo­kus auf solche Themen.

Stephan, vielen Dank fürs Gespräch!


Interview: Anja Allenbach