}

Geldanlage mit Fondssparplänen

Gezielt etwas für später auf die Seite zu legen, ist ein bewusster Entscheid, den Anleger stets neu treffen müssen. Eine unkomplizierte Möglichkeit können dabei Fondssparpläne sein. Was gilt es zu beachten?

Finanzratgeber

Interview mit Beat Schmid-Lüscher
Erschienen im Frutigländer Nr. 98, 6. Dezember 2019

Der Swiss Market Index (SMI) auf Rekordniveau – Traum oder Alptraum für den Anleger?
Die Aktienmärkte haben die korrigierende Phase Mitte August beendet und befinden sich nun im letzten Stadium einer langfristigen positiven Phase. Das langfristige Momentum wird schwinden, die Kursschwankungen werden grösser und ihre Kadenz nimmt zu. Die Risiken sind aktuell klar höher als die Chancen. Daraus resultiert ein eingeschränktes Renditepotenzial für die nächsten Monate, auch Korrekturen sind einzuplanen.

Es gilt also eine den Servicemodellen nach dem neuen Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) entsprechende, bestmögliche Anlagelösung zu suchen. Welche Formen gibt es?

  • Vermögensverwaltung: Beratung und Anlageentscheide durch Bank. Ideal, wenn in den entsprechenden strategischen Anlageprozessen ein Mechanismus berücksichtigt wird, der auch die Chancen und Risiken der Märkte abbildet und somit Möglichkeiten der Risikoreduktion, das heisst ein Untergewichten der Aktienmärkte ermöglicht.
  • Execution only: Keine Beratung durch Bank und Anlageentscheide durch Kunde. Jeder Anleger muss sich hier seine eigene Strategie suchen. 
  • Anlageberatung: Beratung durch Bank und Anlage entscheide durch Kunde, z. B. mit einem Fondssparplan. 

Wie sinnvoll ist der Vermögensaufbau mittels Fondssparplan?
Die Argumente für ein regelmässiges, strukturiertes Anlegen mit Fondssparplänen sind bestechend. Die meisten Anbieter setzen auf teure Strategiefonds aus dem eigenen Haus. Ideal wäre ein Produkt mit frei wählbaren ETF, also Exchange Traded Funds. (Vgl. auch NZZ vom 02.09.2019)

Den besten Erfolg erzielen Sie …
... indem Sie zuerst die Möglichkeiten in der 3. Säule a berücksichtigen und so zusätzlich von steuerlichen Vorteilen profitieren.

Philosophie
Kleine und grosse Träume zu haben, gehört zum Leben. Sparen liegt aber nicht immer in der Natur des Menschen – wir wollen uns lieber sofort belohnen. Gezielt etwas für später auf die Seite zu legen, ist ein bewusster Entscheid, den wir stets neu treffen müssen. 

Gleiche Saat, unterschiedliche Ernte 
Fondssparpläne sind eine Mischung aus Sparen und Anlegen. Allerdings tauscht man die Sicherheit der Sparguthaben gegen die Volatilität der Kapitalmärkte. Sparen für langfristige Ziele wie Studium der Kinder, Verbesserung der Altersrente oder Umbauarbeiten am eigenen Haus. Unter fünf Jahren Anlagelaufzeit nicht sinnvoll. Ideal bereits ab Geburt der eigenen oder «Göttikinder».

Flexibilität
Der Anleger bleibt, anders als etwa bei Lebensversicherungen, flexibel und kann die Raten bei Bedarf aussetzen und auch auf das investierte Kapital zugreifen. Bei Lebensversicherungen, die mittlerweile auch Banken zu ihren Anlageprodukten zählen, wird der Kunde zur Disziplin gezwungen, was nicht unbedingt negativ gewertet werden muss. Durch die Prämienbefreiung wird das garantierte Anlageziel hier auch bei Erwerbsunfähigkeit erreicht.

Anlageprozess
Die angesparten Beträge werden, sobald eine vom Anbieter definierte Anlageschwelle auf dem Konto erreicht ist, automatisch in einen Anlagefonds investiert. 

Durchschnittskosteneffekt
Zum einen legt man regelmässig an und kauft nicht einmalig und womöglich zum falschen Zeitpunkt grosse Wertpapierbestände. Da immer der gleiche Betrag investiert wird, erhält man also bei tieferen Kursen mehr Anteile für sein Geld als bei hohen Kursen. Ausserdem kauft man nicht nur bei steigenden Kursen, sondern investiert auch nach einer Kurskorrektur, was Anlegern sonst kaum gelingt. Im Laufe der Zeit glättet der Durchschnittskosteneffekt die einzelnen Kauf kurse dann zu einem langfristigen Durchschnittspreis pro Anteil.

Kosten
Insbesondere muss zwischen Kosten für die Depotverwaltung, den Kaufkosten für die Fondsanteile und den Kosten für den ausgewählten Anlagefonds selbst unterschieden werden. Sie schmälern die mit dem Anlageprodukt erzielte Rendite. Diversifizierte Produkte wie börsengehandelte Indexfonds (ETF) sind sehr kostengünstig. Indexfonds werden nicht aktiv von einem Fondsmanager verwaltet, sondern bilden die im Vergleichsindex enthaltenen Aktien im gleichen Verhältnis nach.

Vermögensentwicklung
25 Jahre jeden Monat 300 Franken in einen weltweit diversifizierten Aktienfonds zu etwa 4 Prozent netto Kosten investiert, kann ein Kapital von CHF 154'000 Franken ergeben.

 

Beat Schmid-Lüscher, Mitglied der Geschäftsleitung. Leiter Finanz und Co-Leiter Beratung