Aktiendividenden, der neue Zins?

Dividendenausschüttungen bieten auf den ersten Blick einen sichtbaren Ertrag auf dem Konto. Doch gilt es, das Thema kritisch zu betrachten.

Aktuelle Marktsituation

Ist es momentan sinnvoll, Aktien zu halten? Am Jahresende haben wir unseren Kunden kommuniziert, die Aktienquote um gut die Hälfte zu reduzieren. Unsere damalige markttechnische Betrachtung ergab wesentlich höhere Risiken als Chancen und ein Korrekturpotential von mehr als 20%. Die nun erfolgte Korrektur bietet die Chance reduzierte Aktienpositionen wieder aufzubauen. Die Schwankungen bleiben hoch. Zwischenzeitliche Erholungen können von neuen Tiefs abgelöst werden. Nach dieser volatilen Phase gehen wir langfristig wieder von deutlich positiven Kursentwicklungen aus.

Dividende und Risikotoleranz

Bei einem Erstgespräch ist es für uns wichtig herauszufinden, welchem Anlagetyp unser Kunde am ehesten entspricht. Risiko und Rendite bilden die Grundlage von Anlageentscheiden. Kundenbedürfnisse und Risikotoleranzen sind die Treiber unserer Anlageempfehlungen. Erfahrungen und Kenntnisse, Tragbarkeit der finanziellen Risiken sowie die Anlageziele runden diesen wichtigen Analyseteil ab. Eine Aktiendividende kann nur einfahren, wer auch bereit ist, Aktien - und damit auch die entsprechenden Anlagerisiken - in seinem Portfolio zu halten.

Tiefzinsphase beim Sparen

Die tiefen Zinsen machen Sparern und Anlegern das Leben schwer. Zinsanlagen, Bankkonten und Vorsorgegelder werfen praktisch keine Zinsen mehr ab oder werden bei einigen Instituten sogar mit Negativzinsen belastet. Was tun? Lohnt es sich langfristig auf Aktien und somit auch auf Dividendenerträge zu setzen? Solide Firmen schütten auch in herausfordernden Zeiten zuverlässig und regelmässig Gewinne aus. Das sollten sich Sparer und Anleger zunutze machen. Der Entscheid für eine Aktienanlage sollte aber nie nur anhand der erwarteten Dividenden gefällt werden, sondern immer auch vor dem Hintergrund der persönlichen finanziellen Verhältnisse und im Bewusstsein, dass Aktien starken Kursschwankungen unterliegen können. Auch wenn wir in der Folge Einzelaktien erwähnen, empfehlen wir diversifizierte Aktienportfolios über Anlagefonds "Aktien Schweiz" oder "Aktien Welt".

Dividende allgemein

Aktienkursgewinne kommen und gehen, aber Dividenden bestehen und sind die einzige Form der Aktionärsrendite, die uns niemand mehr nehmen kann. Sie bedeutet auch Entscheidungsfreiheit. Wir können sie reinvestieren oder ausgeben. Man hat die Wahl. Dividenden werden auch als Lohn der Aktionäre für ihre Investition in ein Unternehmen bezeichnet. Dividenden sind eine Form der Gewinnbeteiligung und eine Entschädigung für das Risiko, das wir mit unserer Investition eingegangen sind. Es besteht aber grundsätzlich keine Garantie auf eine Dividendenzahlung. Die Unternehmen streben an, profitabel zu werden und den Aktionären einen Teil der Gewinne auszuzahlen. Wer die Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt (Ex-Datum) im Wertschriftendepot hat, erhält die Zahlung. In der Schweiz ist das einmal pro Jahr der Fall. In den USA ist eine quartalsweise Ausschüttung üblich. Die Dividendenzahlungen sind grundsätzlich vermögensneutral. Die ausbezahlte Dividende wird vom Kurs abgezogen. Das Geld fehlt nach der Auszahlung schliesslich im Unternehmen.

Steuern und normale Dividendenzahlung

In der Schweiz wird von der Dividendenzahlung die Verrechnungssteuer von 35% abgezogen, die dann via Deklaration der Dividenden als Einkommen in der Steuererklärung wieder zurückgefordert werden kann.

Steuerbefreite Dividendenausschüttung

Diese Zahlung unterliegt keiner Verrechnungssteuer und wird vollständig dem Konto gutgeschrieben. Diese Tür hat sich nach der letzten Unternehmenssteuerreform zumindest zur Hälfte geschlossen. Seit Anfang 2020 dürfen börsenkotierte Unternehmen nur noch maximal die Hälfte der Dividende in Form von steuerbefreiten Ausschüttungen aus den Kapitaleinlagereserven ausbezahlen. Folgende SMI-Unternehmen verfügen gemäss der Bank Vontobel noch über solche Reserven: Credit Suisse, Holcim, Lonza und UBS.

Die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite gibt an, wie viele Prozente des Aktienkurses als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Das Auf und Ab der Aktienkurse beeinflusst die Höhe der Renditeberechnung. Je höher die Dividendenrendite ist, desto mehr Geld erhalten die Aktionäre von ihrem Unternehmen zurückgezahlt. Aber Vorsicht: Es sollte nicht nur auf die Höhe der nominellen Dividende geachtet werden. Renditen über 5% sind hinsichtlich Beständigkeit zu prüfen. Eine hohe Dividendenrendite allein ist noch kein Qualitätsmerkmal und muss unbedingt immer im gesamten Zusammenhang mit allen anderen Kennzahlen betrachtet werden. Die Dividendenrendite ist je nach Betrachtungszeitraum für die Hälfte der Gesamtperformance bei Aktien verantwortlich. Gleichzeitig geht von der Dividendenkomponente ein willkommener Nebeneffekt aus: Sie verringert die Schwankungsanfälligkeit der Gesamtrendite, weil das Geld auf ein Konto ausbezahlt wird.

Die Dividendenstrategie

Anleger, die eine gezielte Dividendenstrategie verfolgen, kaufen vor allem Aktien von Unternehmen mit hoher Dividendenrendite. Eine mögliche Vorgehensweise kann durch folgenden Filter auf Schweizer Aktien definiert werden: Ein Unternehmen muss in der Vergangenheit ununterbrochen Dividende ausgeschüttet und in den letzten fünf bis zehn Jahren keine Dividendenkürzung vorgenommen haben. Die erwarteten Gewinne müssen die erwarteten Dividendenzahlungen übertreffen. Die Dividendenrendite muss besser als die Rendite der Hälfte der verglichenen Aktien ausfallen. Aktien mit einer historisch hohen Volatilität werden ausgeschlossen. Es ergeben sich folgende Werte: Zurich, Novartis, PSP Swiss Property, Julius Bär, SGS, Roche, ABB und Nestlé. Für ein Investment in Roche und Nestlé spricht insbesondere die lange Geschichte gesteigerter Ausschüttungen. Sie sind diejenigen Schweizer Unternehmen, die nach US-Definition zu den "Dividenden-Aristokraten" gehören. Ein Unternehmen muss nach dieser Betrachtung seit mindestens 25 Jahren eine Dividende zahlen, die Ausschüttung jedes Jahr erhöhen und eine Marktkapitalisierung von mindestens drei Milliarden US-Dollar aufweisen.

Schweizer Aktien mir hoher Dividendenrendite

Dankbarerweise ist die Schweiz als regelrechtes Dividendenparadies bekannt. Viele Schweizer Firmen gelten als besonders zuverlässige Dividendenzahler. Der Swiss Market Index (SMI), der die zwanzig grössten an der Schweizer Börse kotierten Aktien enthält, kam in den vergangenen Jahren auf eine durchschnittliche jährliche Dividendenrendite von rund 3%.

Wer nach soliden und zuverlässigen Dividendenzahlern Ausschau hält, landet weiterhin bei den Schweizer Versicherern sowie dem Telekomkonzern Swisscom. Der Rückversicherer Swiss Re erreicht mit der aktuellen Berechnung eine Dividendenrendite von 6.50%, gefolgt von Zurich mit 5.50% und Swisscom, als Evergreen unter den defensiven Investitionen ohne grosse Kursfantasie, mit 4.25%.

Aktien Europa, USA und Asien mit hoher Dividendenrendite

Dazu gehört der im Jahr 2005 eingeführte "DivDAX" der Deutschen Börse. Er enthält die 15 DAX-Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite. Die Zusammensetzung wird jährlich im September angepasst. Daneben gibt es den "STOXX Global Select Dividend 100". Darin werden aus einem Pool von 1'800 Unternehmen die 100 Aktien mit der höchsten Dividendenrendite aus Nord- und Südamerika sowie Asien und Europa ausgewählt. Die US-Ratingagentur "Standard and Poor's" (S&P) ermittelt mit dem "S&P500 Dividend Aristocrats Index" eine Reihe von Unternehmen auf dem "S&P500 Index", die seit mindestens 25 aufeinanderfolgenden Jahren steigende Dividenden aufweisen. Aktuell stehen 65 Unternehmen auf der Liste.

Kritische Betrachtung der Dividendenkonzepte

Im Zuge der aktuellen und wohl noch länger anhaltender Tiefzinsphase wird die Dividende oft als "der neue Zins" verklärt. Im Vergleich zu einer Obligation, wo der Zins fixiert ist, trifft das auf die Dividende aber nicht zu. Es fällt auf, dass Dividendenstrategien bei vielen Privatanlegern eine beinahe magische Anziehungskraft haben. Bei einer Dividendenstrategie kauft der Investor nur Aktien von Unternehmen, die Dividenden ausschütten. Es werden also nur die Musterschüler zu diesem Thema ausgewählt.

Nüchtern betrachtet, bietet die Ausschüttung von Dividenden erst einmal keinen grundsätzlichen Vorteil gegenüber der Reinvestition. Denn als Aktionär der Firma wird mit der Dividendenzahlung einfach ein Teil des investierten Geldes periodisch wieder zurückbezahlt. Bei einer Reinvestition wird das Geld in der Firma belassen.

Oft handelt es sich bei Firmen, welche relativ hohe Dividenden ausschütten, um Unternehmen in gesättigten Märkten, die kaum noch wachsen können. Mit anderen Worten wird bei der Dividendenstrategie auf die enorm erfolgreichen Wachstumstitel wie Tesla, Amazon oder Facebook verzichtet, da diese Unternehmen keine Dividende ausschütten, sich jedoch im Kurs in den letzten Jahren vervielfacht haben.

Der gewichtigste Nachteil ergibt sich für Schweizer Privatanleger aus unserem Steuergesetz: Dividenden unterliegen der Einkommensteuer, während Kapitalgewinne steuerfrei sind.

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Ein Beitrag von

Beat Schmid-Lüscher

Leiter Finanz I Co-Leiter Beratung I Mitglied der Geschäftsleitung

Bankfachmann, Finanzplaner und Immobilienverwalter mit eidg. FA, Immobilientreuhänder
Eintritt 1983

Als Leiter Finanz und Co-Leiter Beratung ist er für das Anlageportfolio der Bank verantwortlich. Durch die langjährige Praxiserfahrung ist er ein kompetenter Gesprächspartner in sämtlichen Bankthemen mit einem speziellen Augenmerk auf das Anlagegeschäft.